Wie viele Sätze pro Muskelgruppe pro Woche?
Von Adrien BlancAktualisiert am
Das Wichtigste
- Für den Muskelaufbau nennen die Studien als Richtwert 10 Sätze und mehr pro Muskelgruppe und Woche, nach einem Jahr Training 12 bis 20 Sätze.
- Ein Satz, bei dem ein Muskel nur mithilft, wie der Trizeps beim Bankdrücken, zählt als halber Satz.
- Bei gleicher Satzzahl macht es für den Muskelaufbau kaum einen Unterschied, ob du einen Muskel einmal oder mehrmals pro Woche trainierst.

Was als Satz zählt
In den Studien zum Muskelaufbau zählen die Sätze, die nahe ans Muskelversagen gehen, also nahe an die letzte Wiederholung, die du noch schaffen würdest (Baz-Valle et al., 2022). Ein Aufwärmsatz endet lange davor: Er zählt nicht.
Bis zum Muskelversagen musst du nicht gehen: Es reicht, aufzuhören, wenn du noch 2 bis 3 Wiederholungen in Reserve hast. So hält es das American College of Sports Medicine (ACSM) in seinen Empfehlungen von 2026 fest, die auf 137 Studienauswertungen beruhen. Eine solche Auswertung fasst die Ergebnisse mehrerer Studien zu derselben Frage zusammen. Die RPE- und RIR-Tabelle hilft, diese Wiederholungen in Reserve einzuschätzen.
Direkte und indirekte Sätze
Beim Bankdrücken leistet die Brust den Großteil der Arbeit, der Trizeps hilft mit. Für die Brust ist der Satz direkt, für den Trizeps indirekt. Bleibt die Frage, wie viel ein indirekter Satz in der Wochensumme wert ist.
Eine Auswertung von 67 Studien, die Pelland und Kollegen 2026 veröffentlicht haben, hat drei Zählweisen verglichen: einen indirekten Satz als ganzen Satz zählen, als halben Satz oder gar nicht. Der halbe Satz passt am besten zu den gemessenen Zuwächsen.
Diese Regel dient dazu, deine Wochen miteinander zu vergleichen; sie misst nicht, was jeder einzelne Muskel leistet. Die Tabelle unten ordnet die Übungen aus dem folgenden Beispiel ein. Über sie lässt sich streiten, und du kannst deine Übungen anders einordnen, solange du von Woche zu Woche bei derselben Tabelle bleibst.
| Übung | Ganzer Satz | Halber Satz |
|---|---|---|
| Kniebeugen | Quadrizeps, Gesäß | — |
| Beinpresse | Quadrizeps | Gesäß |
| Rumänisches Kreuzheben | Beinbeuger, Gesäß | — |
| Beincurls | Beinbeuger | — |
| Bankdrücken | Brust | Trizeps, Schultern |
| Schulterdrücken | Schultern | Trizeps |
| Langhantelrudern, Latzug | Rücken | Bizeps |
| Seitheben | Schultern | — |
| Bizepscurls | Bizeps | — |
| Trizepsdrücken | Trizeps | — |
So zählst du eine Woche mit drei Ganzkörpertrainings
Das Beispiel ist erfunden: drei Ganzkörpertrainings pro Woche mit je drei Arbeitssätzen pro Übung. Es zeigt die Rechnung und ist kein Trainingsplan zum Nachmachen. Falls du einen suchst: Der Trainingsplan für 3 Tage pro Woche baut auf denselben Übungen auf.
- Training A: Kniebeugen, Bankdrücken, Langhantelrudern, Beincurls, Seitheben, Bizepscurls.
- Training B: Rumänisches Kreuzheben, Schulterdrücken, Latzug, Beinpresse, Trizepsdrücken.
- Training C: Kniebeugen, Bankdrücken, Latzug, Rumänisches Kreuzheben, Seitheben, Trizepsdrücken.
Für jeden Muskel zählst du die direkten Sätze der Woche zusammen und addierst dann die Hälfte der indirekten.
| Muskel | Direkt | Indirekt | Gesamt |
|---|---|---|---|
| Brust | 6 | 0 | 6 |
| Rücken | 9 | 0 | 9 |
| Schultern | 9 | 6 | 12 |
| Bizeps | 3 | 9 | 7,5 |
| Trizeps | 6 | 9 | 10,5 |
| Quadrizeps | 9 | 0 | 9 |
| Beinbeuger | 9 | 0 | 9 |
| Gesäß | 12 | 3 | 13,5 |
Beispiel Trizeps: 6 Sätze Trizepsdrücken plus die Hälfte der 9 Sätze Bankdrücken und Schulterdrücken, also 6 + 4,5 = 10,5.
Gemessen am Richtwert von 10 Sätzen liegen in dieser Woche Brust (6) und Bizeps (7,5) darunter, Schultern (12) und Gesäß (13,5) darüber. Drei Sätze Schrägbankdrücken in Training B, gezählt wie Bankdrücken, würden die Brust auf 9 bringen. Zugleich kämen der Trizeps auf 12 und die Schultern auf 13,5: Eine Übung, die mehrere Muskeln beansprucht, verschiebt mehrere Summen auf einmal.
Die Zählweise verändert das Ergebnis. Für denselben Trizeps kommst du auf 6 Sätze, wenn du nur die direkten zählst, auf 10,5 mit halben Sätzen und auf 15, wenn du alles als ganze Sätze zählst. Bevor du deine Summe mit einer Zahl vergleichst, die du woanders gelesen hast, schau nach, wie dort gezählt wurde.
Woher die Zahlen kommen
Der Richtwert von 10 Sätzen stammt aus den Empfehlungen des ACSM: 10 Sätze und mehr pro Muskelgruppe und Woche fördern den Muskelaufbau bei gesunden Erwachsenen, ob Anfänger oder trainiert. Wie indirekte Sätze zu zählen sind, sagt das ACSM nicht.
Schon 2017 zeigte eine Auswertung von 15 Studien: Je mehr Sätze pro Woche, desto stärker wächst der Muskel.
Der Bereich von 12 bis 20 Sätzen stammt aus der Auswertung von Baz-Valle. Sie fasst 7 Studien mit jungen Männern zusammen, die seit mindestens einem Jahr trainierten. Mehr als 20 Sätze bringen dort beim Quadrizeps und beim Bizeps nicht mehr Muskelzuwachs als 12 bis 20; beim Trizeps schon. Diese Auswertung zählt alle Sätze als ganze, auch die indirekten. Mit halben Sätzen gezählt fällt deine Summe niedriger aus als bei demselben Trainingsplan mit ganzen Sätzen: Behalte das im Kopf, bevor du sie mit diesem Bereich vergleichst.
Die Zuwächse steigen mit der Satzzahl weiter, aber immer langsamer. Das ACSM, das sich auf die Auswertung von Pelland stützt, sieht bei etwa 18 bis 20 Sätzen pro Woche den Punkt, ab dem ein zusätzlicher Satz deutlich weniger bringt.
Diese Zahlen haben ihre Grenzen. Das ACSM schreibt, dass sich die genaue Satzzahl für die besten Ergebnisse nicht bestimmen lässt. In der Auswertung von Pelland sind 79 % der Teilnehmenden Männer, das Durchschnittsalter liegt bei 25 Jahren. Weder das ACSM noch die Auswertung von Baz-Valle nennen für jeden Muskel eine eigene Zahl: Der Richtwert ist für alle derselbe.
Für Kraft: 2 bis 3 schwere Sätze pro Übung
Für Kraft nennt das ACSM etwas anderes: 2 bis 3 Sätze pro Übung, mindestens 2 Trainings pro Woche und Gewichte ab 80 % des 1RM. Das 1RM ist das schwerste Gewicht, das du einmal bewegen kannst; der 1RM-Rechner zeigt dir das Gewicht, das 80 % entspricht.
Zusätzliche Sätze zahlen sich bei der Kraft schneller nicht mehr aus als beim Muskelaufbau, so die Auswertung von Pelland. Eine Auswertung von 2017 findet trotzdem etwas mehr Kraftzuwachs bei mehr als 5 Sätzen pro Übung und Woche.
Sätze über die Woche verteilen
Bei gleicher Satzzahl ändert die Häufigkeit wenig am Muskelaufbau. Eine Auswertung von 25 Studien findet keinen klaren Unterschied zwischen einem Muskel, der selten trainiert wird, und demselben Muskel, der öfter trainiert wird, wenn die Wochensumme gleich ist. Die Autoren schließen daraus, dass du die Häufigkeit nach deiner Vorliebe wählen kannst.
Drei Ganzkörpertrainings oder vier Trainings im Wechsel von Oberkörper und Unterkörper: Für den Muskelaufbau zählt zuerst die Wochensumme.
Sätze hinzufügen oder streichen
Zähle zuerst, was du ohnehin schon machst, in einer ganz normalen Woche. Geh dabei von den Sätzen aus, die du wirklich gemacht hast, nicht von den geplanten.
Bleibt ein Muskel, den du aufbauen willst, deutlich unter 10 Sätzen, hast du Luft nach oben: In den Studien gehen mehr Sätze mit mehr Muskelzuwachs einher. Füge immer nur wenig hinzu, zum Beispiel einen Satz bei einer Übung, und lass den Rest gleich: dieselben Übungen, dieselbe Zählweise. So kannst du die Wirkung in deinem Logbuch ablesen. Sätze hinzuzufügen ist nur einer der Wege, Progressive Overload umzusetzen.
Dein Logbuch zeigt dann, ob du diese Sätze verkraftest. Bleiben die Wiederholungen bei gleichem Gewicht von Woche zu Woche stabil oder steigen sie, kommst du mit dieser Satzzahl zurecht. Sinken sie mehrere Wochen in Folge, hilft es, zwei Trainings zu vergleichen: So siehst du, seit wann. Die zusätzlichen Sätze wieder zu streichen ist dann das Erste, was einen Versuch wert ist. Dieser letzte Rat kommt aus der Praxis: Keine der hier zitierten Studien hat ihn geprüft.
Häufige Fragen
Warum 4 Sätze pro Übung?
Keine der hier zitierten Studien sagt, dass 4 Sätze besser sind als 3 oder 5. Das ACSM stellt fest, dass ein Satz besser ist als keiner und zwei besser sind als einer, und rät dann zu mindestens zwei Sätzen pro Übung. Drei oder vier Sätze pro Übung sind vor allem ein Weg, mit wenigen Übungen auf deine Wochensumme zu kommen.
Wie viele Sätze pro Muskelgruppe pro Training?
Teile deine Wochensumme durch die Zahl der Trainings, in denen der Muskel drankommt: 12 Sätze, verteilt auf drei Trainings, ergeben 4 Sätze pro Training. Bei gleicher Satzzahl ändert die Verteilung auf die Trainings wenig am Muskelaufbau.
Reicht 3-mal Training pro Woche für den Muskelaufbau?
Ja, wenn die drei Trainings jeden Muskel in die Nähe von 10 Sätzen pro Woche bringen. Im Beispiel ergeben drei Ganzkörpertrainings mit drei Sätzen pro Übung je nach Muskel 6 bis 13,5 Sätze. Bei gleicher Satzzahl finden die Studien keinen klaren Unterschied im Muskelaufbau je nach Häufigkeit.
Zählen Aufwärmsätze mit?
Nein. Die Studien zählen Sätze nahe am Muskelversagen, mit wenigen Wiederholungen in Reserve. Ein Aufwärmsatz endet lange davor.
Brauchen Anfänger weniger Sätze?
Das sagen die hier zitierten Studien nicht. Der Richtwert des ACSM von 10 Sätzen und mehr gilt für Anfänger wie für Trainierte, ohne eigene Zahl je Trainingsstand. Der Bereich von 12 bis 20 Sätzen wurde an Männern gemessen, die seit mindestens einem Jahr trainierten: Über Anfänger sagt er nichts aus.
Quellen
- Currier et al. (2026). American College of Sports Medicine Position Stand. Resistance Training Prescription for Muscle Function, Hypertrophy, and Physical Performance in Healthy Adults: An Overview of Reviews. Medicine & Science in Sports & Exercise
- Pelland, Remmert, Robinson, Hinson, Zourdos (2026). The Resistance Training Dose Response: Meta-Regressions Exploring the Effects of Weekly Volume and Frequency on Muscle Hypertrophy and Strength Gains. Sports Medicine
- Baz-Valle, Balsalobre-Fernández, Alix-Fages, Santos-Concejero (2022). A Systematic Review of the Effects of Different Resistance Training Volumes on Muscle Hypertrophy. Journal of Human Kinetics
- Schoenfeld, Ogborn, Krieger (2017). Dose-response relationship between weekly resistance training volume and increases in muscle mass: A systematic review and meta-analysis. Journal of Sports Sciences
- Schoenfeld, Grgic, Krieger (2019). How many times per week should a muscle be trained to maximize muscle hypertrophy? A systematic review and meta-analysis of studies examining the effects of resistance training frequency. Journal of Sports Sciences
- Ralston, Kilgore, Wyatt, Baker (2017). The Effect of Weekly Set Volume on Strength Gain: A Meta-Analysis. Sports Medicine